Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Sommer, Sonne, Lebenshilfe

'Blaues Wunder' in Berlin: Kanzlerin Angela Merkel eröffnete rauschendes Fest im Jubiläumsjahr der Lebenshilfe

Aus der Lebenshilfe-Zeitung 2/2008
Text: Gertrud Genvo / Fotos: Hans-D. Beyer
Bundeskanzlerin Merkel begrüßt Besucher/innen des Lebenshilfe-Festivals. Foto: Hans-D. Beyer
12.000 hochgereckte Arme ließen sich mitreißen vom Takt der Musik. So zeigten die Gäste ihre Begeisterung beim Lebenshilfe-Festival "Blaues Wunder" in der Berliner Kulturbrauerei. Ein herzliches Willkommen galt der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Tosenden Beifall gab es für tolle Bands, besonders für Guildo Horn. Die eigentlichen Stars aber waren die Zuschauer selbst.
Guildo Horn und 'Die Orthopädischen Strümpfe' begeisterten das Publikum. Foto: Hans-D. Beyer
 
„Ihr seid das beste Publikum, das wir je hatten. Das sage ich jeden Tag. Bisher war es immer gelogen – aber heute stimmt’s wirklich!“ Mit diesen Worten brachte Guildo Horn, der der Lebenshilfe zu ihrem 50-jährigen Bestehen gratulierte, zum Ausdruck, was viele empfanden: Die wunderbare Stimmung beim Sommerfest im Jubiläumsjahr der Lebenshilfe war nicht nur dem sonnigen Wetter und der gelungenen Organisation zu verdanken, sondern in erster Linie den vielen Menschen mit und ohne Behinderung, die zum Teil von weit her gekommen waren, um mit der Lebenshilfe zu feiern.

Besonders tapfer ausharren mussten diejenigen, die wegen eines vorangegangenen schweren Unfalls viele Stunden lang auf der Autobahn im Stau standen. Zum Glück wurden sie von einem vielfältigen Programm und den Begegnungen mit anderen Menschen aus der großen Lebenshilfe entschädigt. Der Andrang zu den einzelnen Auftritten war groß. So hätten noch mehr Besucher gerne Rolf Zuckowski zugehört, doch musste der Saal wegen Überfüllung geschlossen werden.

Zunächst einmal schickte ein großes Ereignis seine Schatten voraus: Vor dem Besuch der Kanzlerin galten strenge Sicherheitsbestimmungen. Man konnte zusehen, wie Spürhunde ihre Arbeit taten, um eventuell versteckten Sprengstoff zu wittern – zum Glück ohne Befund.
Kanzlerin Angela Merkel auf der Bühne mit dem Lebenshilfe-Bundesvorsitzenden Robert Antretter und Ramona Günther vom Rat der behinderten Menschen in der Lebenshilfe. Foto: Hans-D. Beyer
Der Platz vor der Hauptbühne war mit mehr als 6000 Besucher/innen gefüllt. Foto: Hans-D. Beyer
Dann kam der hohe Gast selbst. Begrüßt wurde Frau Merkel vom Bundesvorsitzenden Robert Antretter und von Ramona Günther aus dem Rat behinderter Menschen. Auf dem Weg zur Bühne lauschte die Kanzlerin dem gut zum Wetter passenden Schlager „Pack die Badehose ein“, schwungvoll vorgetragen vom Chor Tiramisu der Klosterbergschule in Schwäbisch Gmünd. Gut gelaunt unterhielt sich die Kanzlerin mit den Sängerinnen und Sängern.

Die Kanzlerin erzählte von den guten Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit mit behinderten Menschen noch zu DDR-Zeiten in einer Diakonie-Einrichtung bei Templin gemacht hatte. Sie freute sich über die Verbesserungen, die nach der Wende kamen.

Ramona Günther vom Rat behinderter Menschen in der Lebenshilfe hatte die Bundeskanzlerin gebeten, dafür zu sorgen, dass Menschen mit Behinderung mehr Geld bekommen: „Ihr müsst doch etwas machen können, damit die Menschheit wieder zufrieden ist!“ Darauf antwortete Angela Merkel: „Ich nehme Ihre Worte sehr ernst. Allerdings will ich nicht das Blaue vom Himmel versprechen: Wir müssen das, was wir verteilen, erst erarbeiten.“ Das sei das Erfolgsrezept der sozialen Marktwirtschaft seit dem Wirtschaftswunder.
Eine Tuba-Spielerin von 'venusbrass'. Foto: Hans-D. Beyer
Das integrative Theater 'RambaZamba' aus Berlin. Foto: Hans-D. Beyer
 
 
Der Bundesvorsitzende Robert Antretter hatte der Kanzlerin einen Brief aus der Lebenshilfe Salzgitter übermittelt, in dem ein besserer Ersatz für den Begriff „geistige Behinderung“ gefordert wurde. Angela Merkel versprach, mit darüber nachzudenken, versicherte aber, das Wort ziele nicht auf Aussonderung.

Liedermacher wie Rolf Zuckowski und Stoppok sowie Bands mit und ohne Menschen mit Behinderung überboten einander anschließend mit einem unterhaltsamen Programm mit deutschen Schlagern und Volksliedern. Zuhören, Mitschunkeln, Tanzen – das verband alle miteinander. Musikalische Highlights boten die Hallenfeger, die Brenz Band, 6-Zylinder, Honey Sweet & the 7 Ups, Menschenskinder, Mary Greenwood und bei der Aftershowparty The Beez und George Kranz.
Zauberhaft: die Stelzenläufer des Berliner Ensembles 'Grotest Maru'. Foto: Hans-D. Beyer
 
Bunte Akzente setzten die Musik- und Straßentheatergruppen, die mit ihren Auftritten die Höfe belebten, darunter die „Süßen Frauen“ von Blaumeier, die den Besuchern einen recht ungewöhnlichen Unterricht in der Wäschepflege erteilten, das Theater Thikwa mit wurmartigen Gestalten, Masken des Oldenburger Blauschimmel-Ateliers, die Marchingband „venusbrass“, die Blaskappelle „Lauter Blech“ und das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester.
Meisterlich: Guildo Horn. Foto: Hans-D. Beyer
Wahrhaft meisterlich gelang es Guildo Horn, die Zuschauer zu begeistern und zum Mitmachen zu bewegen. Musikalisch begleitet wurde er von seiner Band „Die Orthopädischen Strümpfe“. Als „special guest“ hatte er Carlos Barroso, den selbst körperlich behinderten Sänger der Lebenshilfe-Band Tabuwta aus Nordhorn eingeladen. Sie ernteten stürmischen Applaus.

Das Lebenshilfe-Festival wurde gefördert durch die Aktion Mensch, Marriott und UPS. Berliner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des internationalen Paketdienstes waren zudem als freiwillige Helfer im Einsatz.
 
Hier finden Sie weitere Bilder und Beiträge zum Lebenshilfe-Festival 'Blaues Wunder'.
 
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