Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 
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2017

 
Titelseite Jahresbericht 2017
 
 

Bundestag gedenkt der Opfer der Nazi-„Euthanasie“

Auf Vorschlag der Lebenshilfe spricht der Berliner Sebastian Urbanski als erster Mensch mit einer sogenannten geistigen Behinderung im Deutschen Bundestag. Sebastian Urbanski ist Schauspieler und hat das Down-Syndrom. Als er am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, ans Mikrophon geht, wird es still im Hohen Haus. Der Schauspieler trägt einen Brief vor, den Ernst Putzki seiner Mutter geschrieben hatte, bevor dieser in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. Etwa 300.000 behinderte und kranke Menschen wurden damals in ganz Europa systematisch umgebracht, sie galten als „Ballastexistenzen“. Dass endlich einmal die Opfer der Nazi-„Euthanasie“ in den Mittelpunkt der Gedenkstunde des Bundestages gestellt werden, dafür hat sich die Lebenshilfe seit Jahren eingesetzt, allen voran ihre Bundesvorsitzende Ulla Schmidt, MdB.

Hilfsfonds für misshandelte Heimkinder

Bisher gab es nur Hilfsfonds für Menschen, die früher in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe lebten und dort Gewalt und Missbrauch erfahren haben. Seit langem fordert die Lebenshilfe, dass auch das Leid und Unrecht von Kindern aus Einrichtungen der Behindertenhilfe anerkannt wird. Mit Erfolg, im Januar nimmt die neue „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ ihre Arbeit auf und unterstützt misshandelte ehemalige Heimkinder mit Behinderung.

Mehr Rechte für Werkstatträte

Aus ganz Deutschland kommen mehr als 150 Werkstatträte und andere Interessierte am 8. und 9. März zur Werkstatträte-Konferenz der Lebenshilfe nach Marburg. Sie wollen sich über die geänderte Werkstätten-Mitwirkungs-Verordnung informieren. Die neue Verordnung schafft erstmals an wichtigen Stellen echte Mitbestimmungsrechte, wo es früher nur Mitwirkungsmöglichkeiten gab. Neu ist auch die Verpflichtung, Frauenbeauftragte vorzusehen.

Lebenshilfe kämpft weiter für bessere Teilhabe

Die erfolgreiche Lebenshilfe-Kampagne #TeilhabeStattAusgrenzung im Jahr 2016 hat zu wesentlichen Verbesserungen des Bundesteilhabegesetzes geführt. Auch die Umsetzung beobachtet die Lebenshilfe kritisch. Vor der Bundestagswahl konfrontiert sie alle Fraktionen mit Wahlprüfsteinen zu Themen wie Inklusion, Barrierefreiheit oder Diskriminierung. Mit Erfolg fordert die Lebenshilfe, endlich die Wahlrechtsausschlüsse von Menschen mit Betreuung in allen Angelegenheiten abzuschaffen: Im Koalitionsvertrag der neuen Regierung ist nun ein Wahlrecht für alle vereinbart. Zudem richtet die Lebenshilfe eine Internet-Plattform ein, auf der sie aktuell über die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes berichtet.

Führungskräfte treffen sich

Über die umfangreichen Neuerungen des Bundesteilhabegesetzes und seine Umsetzung informiert die Lebenshilfe auf ihren Führungskräftetreffen „Arbeit“ am 13./14. Juni in Würzburg und „Wohnen“ am 12./13. Dezember in Kassel. Mehr als 400 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet nutzen den fachlichen Austausch mit den Fachreferenten der Bundesvereinigung.

Natalie Dedreux, die Bundeskanzlerin und der BOBBY

„Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben!“ Das sagt am 11. September live im Fernsehen die 19-jährige Natalie Dedreux aus Köln zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und löst damit deutschlandweit einen großen Medienrummel aus. Für ihren beherzten TV-Auftritt wird die junge Frau mit Down-Syndrom mit dem Lebenshilfe-Medienpreis BOBBY 2017 ausgezeichnet. „Natalie Dedreux ist zu einer starken Stimme, zu einer Botschafterin für Menschen mit Behinderung geworden“, so Bundesvorsitzende Ulla Schmidt, MdB.

Beschwerdestelle und Bilddatenbank

Eine bundesweite unabhängige Beschwerdestelle für die Lebenshilfe – kurz Bubl – wird im Oktober eingerichtet. Sie soll die Qualitätssicherung und das Beschwerdemanagement vor Ort sinnvoll ergänzen. Weitere Informationen gibt es in Leichter Sprache unter www.bubl.de. Im Intranet stellt die Bundesvereinigung zudem Material zur Gewaltprävention zur Verfügung. Daneben gehen ein Newsletter in Leichter Sprache und eine Bilddatenbank online. Die ausdrucksstarken Fotos zeigen selbstbewusste Menschen mit Behinderung, die am gesellschaftlichen Leben teilhaben. In einer ersten Serie stehen 250 Motive zur Verfügung und können von Medien, vor allem aber von den Mitgliedsorganisationen der Bundesvereinigung kostenfrei genutzt werden – etwa für Broschüren oder die eigene Webseite.

Tom-Mutters-Straße erinnert an Lebenshilfe-Gründer

Am 29. November wird in Marburg die Tom-Mutters-Straße mit einem Festakt eingeweiht. Die Stadt würdigt damit den Lebenshilfe-Gründer, der am 2. Februar 2016 im Alter von 99 Jahren gestorben ist.

Lebenshilfe-Magazin wird 30

Im Dezember 1987 erscheint das erste farbige Magazin als Beilage der Lebenshilfe-Zeitung. Mit Leichter Sprache und vielen Fotos und Zeichnungen richtet es sich seit nun 30 Jahren vor allem an Leserinnen und Leser mit geistiger Behinderung.

 
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