Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 
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2012

 
Abbildung Titelseite Jahresbericht 2012
 
 

Januar

Lebenshilfe-Gründer Tom Mutters wird am 23. Januar 95 Jahre alt. Zusammen mit Eltern und Fachleuten hatte er 1958 in Marburg die „Bundes­vereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ gegründet, deren Geschäftsführer er 30 Jah­re lang war.
 
Mehr als 300.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen wurden im Drit­ten Reich im Rahmen der sogenannten T4-Aktion getötet. Mit Kranzniederlegungen erinnert die Le­benshilfe jedes Jahr am 27. Januar an die Opfer.
 

Februar

Die Lebenshilfe trauert um Annemarie Griesinger, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe von 1984 bis 1996. Die anerkannte, warmherzige und engagier­te Frau stirbt am 20. Februar 2012 im Alter von 87 Jahren. Seit ihrer Pensionierung hatte sich die frühe­re Sozialministerin von Baden-Württemberg ehren­amtlich für Menschen mit Behinderung eingesetzt.
 

März

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe stößt gemein­sam mit Down-Syndrom-Organisationen aus ganz Deutschland eine breite ethische Debatte über Pränataldiagnostik an. Anlass ist der Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März. Mit einer gemeinsa­men Erklärung wenden sich die Verbände an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages und plädieren für mehr Aufklärung über Chancen auf ein glückliches Leben – auch mit Down-Syndrom. Hintergrund ist ein neuer Bluttest der Firma LifeCo­dexx, mit dem Trisomie 21 vor der Geburt festge­stellt werden kann, ohne die Risiken einer Frucht­wasseruntersuchung.
 

April

Zum zehnten Jahrestag des Inkrafttretens des Behindertengleichstellungsgesetzes mahnt die Lebenshilfe Reformen an. Ein Schwerpunkt ist da­bei Barrierefreiheit. Für Menschen mit geistiger Be­hinderung heißt das vor allem die Verwendung von Leichter Sprache. Diese muss auch in den entspre­chenden Gesetzen (BGG und den verschiedenen Sozialgesetzbüchern) berücksichtigt werden.
 

Mai

Klein und handlich wie eine Scheckkarte soll er sein, der Schwerbehindertenausweis. Stattdes­sen gibt es noch immer ein etwa postkartengroßes un­handliches Dokument. Men­schen mit und ohne Behinderung in der Lebens­hilfe haben sich seit langem für die Verkleinerung eingesetzt. Seit 1. Januar 2013 gilt nun die neue Verordnung für den Schwerbehindertenausweis.
 

Juni

Am 24. Juni wird die Fiskalpakt-Einigung von Bund und Ländern verkündet, wonach der Bund sich künftig an den Kosten der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung beteiligen will.
Außerdem wird in Aussicht gestellt, dass der Bund in der nächsten Legislaturperiode ein Bundesleis­tungsgesetz in Kraft setzen wird, das die bisherigen Vorschriften der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung ablösen soll. Die Lebenshilfe be­grüßt diese Zusage. Seit langem fordert die Lebens­hilfe ein Bundesleistungsgesetz, um die Eingliede­rungshilfe aus der nachrangigen Sozialhilfe zu lösen. Mit der Eingliederungshilfe wird die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftli­chen Leben gefördert.
 

Juli

Der umstrittene Präna-Test zur vorgeburtlichen Di­agnose der Trisomie kommt auf den Markt. Erneut verweist die Lebenshilfe auf die möglichen prob­lematischen Folgen des Bluttests. Der Präna-Test stelle das Leben von Menschen mit Down-Syndrom in Frage, schon heute müssten sich Eltern fragen lassen, warum sie „so ein Kind“ denn bekommen hätten.
 

August

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe vertritt ihre Position bei der Anhörung im Bundesgesundheits­ministerium zum Verordnungsentwurf der Bundes­regierung über die rechtmäßige Durchführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) . Der Verord­nungsentwurf soll regeln, wie das PID-Gesetz in die Praxis umgesetzt werden kann.
 

September

Die Mitgliederversammlung der Lebenshilfe ent­scheidet sich mit großer Mehrheit für einen neuen Verbandsnamen. Aus „Bundesvereinigung Le­benshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung“ wird in Zukunft „Bundesvereinigung Lebenshilfe“. Besonders die Selbstvertreter plädieren in eindrück­lichen Redebeiträgen für den kürzeren Namen. Viele von ihnen empfinden die Bezeichnung „geis­tig behindert“ als stigmatisierend.
 
Zur neuen Bundesvorsitzenden wird die Bundes­tagsabgeordnete und frühere Bundesgesundheits­ministerin Ulla Schmidt (63) aus Aachen gewählt – mit 89,64 Prozent der Stimmen. Sie löst nach zwölf Jahren Robert Antretter, MdB a. D. aus Backnang, ab.

Oktober

Am 30. Oktober tritt die Pflegereform (Pflege-Neuausrichtungsgesetz) in Kraft. Für Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz bringt es Verbesserungen, die im ersten Entwurf noch lediglich für Demenzerkrankte vorgesehen waren. Für diese Gleichbehandlung von Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz hat sich die Lebenshilfe erfolgreich eingesetzt.
 
Das Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf eröffnet einen neuen Berufsbildungsbereich der Reha-Werkstätten im Haus der Bundesvereinigung Le­benshilfe an der Raiffeisenstraße 18. 20 Menschen mit seelischen oder psychischen Erkrankungen, die derzeit auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt keine Beschäftigung finden, werden nun dort gefördert und qualifiziert. Damit sind alle drei Lebenshilfe-Ebenen – Bund, Land und Stadt – an der Raiffei­senstraße 18 unter einem Dach.
 

November

Menschen mit Behinderung leisten wertvolle Arbeit als Alltagsbegleiter in der Pflege. So lautet das Fazit einer aktuellen Studie der Bundesvereinigung Lebenshilfe und der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege. Behinderte Menschen werden oft als hilfebedürftige Personen wahrgenommen, die in ihrem täglichen Leben auf Betreuer, Pfleger oder Assistenten angewiesen sind. Aber es geht auch anders, wie das Beispiel der Alltagshelfer zeigt.
 
Mit der Ausstellung „Tieftaucher und Überflieger“ zeigen erstmals Menschen mit geistiger Behinde­rung ihre Schaffenskraft im Berliner Paul-Löbe-Haus. 37 Werke aus den Kunstateliers „willsosein“ und „Sirius“ der Lebenshilfen Aachen und Viersen sind bis Mitte Dezember 2012 in dem Bundestags­gebäude zu sehen. Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt eröffnen die Schau.
 

Dezember

Zum Welttag behinderter Menschen startet die Bundesvereinigung Lebenshilfe ihre Facebook-Seite. Unter www.facebook.com/lebenshilfe gibt es Austausch und Informationen über Teilhabe behinderter Menschen, Veranstaltungshinweise, Film- und Buchtipps und vieles mehr. Die Seite richtet sich vor allem an junge Menschen, die sich freiwillig engagieren wollen, an Eltern behinderter Kinder und Menschen mit Behinderung selbst.
 
Der Medienpreis BOBBY der Lebenshilfe wird an die TV-Moderatorin Claudia Kleinert verliehen. Seit 2008 engagiert sie sich als Botschafterin der Le­benshilfe Nordrhein-Westfalen und tritt in den Me­dien für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung ein. Als Schwester ihres behinder­ten Bruders Stephan weiß Claudia Kleinert, wovon sie spricht. „Was wirklich zählt im Leben, habe ich von meinem Bruder gelernt“, sagte Kleinert bei der Preisverleihung in Köln.
 
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