Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Persönliches Budget

Persönliches Budget
Als wesentlicher Schritt zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe von behinderten Menschen in der Gesellschaft könnte sich das Persönliche Budget erweisen - ob dies gelingt, muss die Praxis erst noch zeigen.


Der behinderte Mensch erhält  Geld oder Gutscheine, um sich Begleitung und Unterstützung selbst "einzukaufen". Er entscheidet selbst, welcher Dienst bzw. welche Person die Hilfe erbringen soll, da er die Dienstleistungen als „Kunde“ unmittelbar bezahlen kann. Die Höhe des Persönlichen Budgets orientiert sich am Bedarf und soll den Umfang der bisherigen Sachleistungen in der Regel nicht überschreiten.

Wie im Sozialgesetzbuch IX (§ 17) festgelegt, wird das Persönliche Budget in verschiedenen Projekten seit Juli 2004 erprobt, ab Januar 2008 besteht ein uneingeschränktes Recht darauf. Antragsstellen (Sozialamt) und behinderte Menschen ermitteln den individuellen Hilfebedarf und treffen eine Zielvereinbarung. Darin werden die Förder- und Leistungsziele aufgeführt und die Hilfsangebote definiert.

Geistig behinderte Menschen brauchen Beratung und Unterstützung vor und während des Verfahrens zur Bewilligung eines Persönlichen Budgets sowie Assistenz bei der Nutzung durch eine Person ihres Vertrauens; das können auch die Eltern sein. Wer mit dem Persönlichen Budget  nicht klarkommt, kann auch wieder die Sachleistung wählen. In jedem Fall führt das Persönliche Budget zu einem anderen Selbstverständnis des Menschen mit Behinderung:

„Früher war ich Behinderter, jetzt bin ich Kaufmann.
Ich bekomme auf einmal mit, was die Sache wert ist.“
Budgetnehmer aus Bayern

Richtig verstandener Schutz sowie Hilfe durch Einrichtungen und fachlich geschultes Personal sind aber weiterhin notwendig.

Die Lebenshilfe hat die Modellprojekte zum Persönlichen Budget von Anfang an begleitet sowie Chancen und Risiken in die politischen Beratungen eingebracht. Noch relativ ungeklärt sind Fragen der Bedarfsfeststellung, der Beratung und Finanzierung sowie der Umsetzung in stationären und teilstationären Einrichtungen. Das Persönliche Budget darf den Kostenträger nicht zum Sparen bewegen und die Qualität der Leistungen senken. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit Behinderung, der mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erfährt und passgenaue Hilfe erhält.
 
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