Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Menschen mit schweren Behinderungen

Mensch mit schweren Behinderungen
 „Ich finde es wunderbar, dass es durch die Arbeit der Lebenshilfe so viele Möglichkeiten gibt, den Eltern bei der Entwicklung ihrer schwerbehinderten Kinder zu helfen.“
Lieselotte Radtke, Hamburg  


 
Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit schwerer und mehrfacher Behinderung sind von anderen Menschen abhängig. Oft ist regelmäßige Hilfe bei der Bewegung notwendig, meist auch zur Kommunikation, zur Gesundheit und zur Beteiligung am sozialen Leben, weil sie häufig verhaltensauffällig sind. Mit intensiver und ständiger Begleitung sind die Menschen mit hohem Hilfebedarf fähig, sich die Welt durch aktive Wahrnehmung anzueignen, anderen Menschen zu begegnen und am Leben der Gesellschaft teilzuhaben.

Im Jahr 1977 veranstaltete die Bundesvereinigung Lebenshilfe die richtungsweisende Studientagung „Hilfen für schwer geistig Behinderte – Eingliederung statt Isolation“, um Impulse für die Eingliederung der schwer geistig behinderten Menschen zu geben. Lange Zeit konnten Eltern ihre Kinder mit schwerer geistiger Behinderung ohne pädagogische und therapeutische Hilfen nur in der Familie betreuen. Doch in den 1980er-Jahren öffneten sich gemeindenahe Einrichtungen auch für sie. Nun spielten sie mit Gleichaltrigen in Sonderkindergärten und nahmen an der Frühförderung teil. Verschiedene Schulprojekte zeigten, dass sie nicht nur „pflegebedürftig“ sind, sondern sinnvolle schulische Lernangebote erhalten können. Viele Werkstätten schufen besondere Fördergruppen für Menschen mit hohem Hilfebedarf.

Eine besondere Bedeutung haben für sie und ihre Familien die sog. Offenen Hilfen. Sie bieten Freizeit-, Bildungs- und Ferienmöglichkeiten sowie Betreuung für ganze Tage oder an Wochenenden. Hinzu kommen Beratungs- und Integrationshilfen. Alle diese Angebote ermöglichen es Menschen mit schwerer Behinderung, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, anderen zu begegnen, ihren Horizont zu erweitern und aus der begrenzten Welt von Familie und Betreuungseinrichtungen herauszukommen. 

Menschen mit schweren Behinderungen sind oft ausgegrenzt und einsam. Diese Situation zu verändern ist eine vordringliche Aufgabe der Lebenshilfe. Der bundesweite Kongress „Wir gehören dazu!“ 2006 in Magdeburg endete mit dem „Magdeburger Appell“. Hier fordert sie u.a.:
  • Menschen mit schweren Behinderungen haben wie alle anderen ein Recht auf Leben in Würde, Achtung ihrer Einzigartigkeit, Bildung, Förderung und Unterstützung. Auch für sie gelten als Lebensziele Sinnerfüllung, Wohlbefinden und Glück. 
  • Menschen mit schweren Behinderungen haben das Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, unabhängig von Art und Ausmaß der Beeinträchtigung, sowie ein uneingeschränktes Wahlrecht, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen möchten.
  • Als Bürgerinnen und Bürger von Städten und Gemeinden müssen sie inmitten der Gesellschaft leben können.
 
Stichwort: Lebensqualität

Menschen mit schwerer Behinderung eröffnen sich selbst Möglichkeiten, auf die Gestaltung des eigenen Lebens Einfluss zu nehmen. Dies zeigt sich vor allem bei Nahrungsaufnahme, Mobilität und Körperpflege. Ihre Wünsche, Vorlieben und Abneigungen zeigen sie oft nonverbal. Beispiel: Frau A. kann mit Hilfe einer kleinen Fotomappe, die eine Mitarbeiterin mit ihr erarbeitet hat, ihre Wünsche äußern und durchsetzen. Die Wünsche beziehen sich u. a. auf das Essen und Trinken oder verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten . Auch bei mehrfacher Behinderung ist Lebensfreude und Lebensqualität möglich: u.a. durch eine bedürfnisgerechte, vertraute Umgebung, Teilhabe am täglichen Ablauf nach den jeweiligen Möglichkeiten, das Äußern individueller Wünsche und Bedürfnisse, emotionale und körperliche Zuwendung des Pflege- und Betreuungspersonals, regelmäßigen Kontakt mit Eltern und Familie, Teilnahme am Gemeinschaftsleben, Bildung und Beschäftigung (z.B. Musiktherapie) sowie Unternehmungen aller Art.  
 
Bitte lesen Sie dazu auch 'Lebenshilfe' für Menschen mit hohem Hilfebedarf,
einen Beitrag von Prof. Dr. Theo Klauß (pdf - 51.4 KB)

Prof. Dr. Klauß ist Professor für "Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung" in Heidelberg und Mitglied des Bundesvorstands der Lebenshilfe.
 
© 2008 - 2013 Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de