Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Familienentlastende Dienste

Die Erziehung, Betreuung und Pflege von Kindern mit Behinderung in der Familie kostet viel Zeit und Kraft. Häufig muss die Familie finanzielle Aufwendungen erbringen, die mit den gesetzlich geregelten Ausgleichsleistungen nur annähernd aufgefangen werden. Hier setzen die seit den 1980er-Jahren von der Lebenshilfe angebotenen Familienentlastenden Dienste an.

Zu den Erfolgsgeschichten der Lebenshilfe gehört die flächendeckende Verbreitung von Familienentlastenden (FED) bzw. Familienunterstützenden Diensten (FUD) seit den 1980er-Jahren. Sie verfügen über qualifizierte Helferinnen und Helfer und bieten die Betreuung geistig behinderter Menschen für wenige Stunden bis hin zu mehreren Wochen an – teils innerhalb der Familie, teils außerhalb.
Mutter mit Kind
Das Konzept kommt lange zurückgestellten Bedürfnissen entgegen: Die Eltern können abends oder am Wochenende endlich wieder einmal etwas zusammen unternehmen. Sie finden Zeit und neue Kraft für ihr eigenes Leben. Die FED entlasten nicht nur die Hauptbetreuungspersonen, sondern tragen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Sie fördern die Selbstständigkeit und ermöglichen die allmähliche Ablösung vom Elternhaus. Den Familien werden keine standardisierten Leistungspakete angeboten, sondern sie werden bei der Zusammenstellung individueller Hilfsangebote unterstützt. Von 1988 bis 1993 verdoppelte die Lebenshilfe ihr Angebot an FED von 120 auf fast 250.

Die von der Lebenshilfe verbreitete Idee, für Familien mit geistig behinderten Angehörigen ambulante Hilfe anzubieten, passte in den 1980er-Jahren in die Zeit. Der Gedanke der Offenen Hilfe wurde als neue sozialpolitische Leitlinie in das Bundessozialhilfegesetz (§ 3a) aufgenommen:
„Der Träger der Sozialhilfe soll darauf hinwirken, dass die erforderliche Hilfe so weit wie möglich außerhalb von Anstalten, Heimen oder gleichartigen Einrichtungen gewährt werden kann.“
Der Gesetzgeber betrachtete ambulante Hilfen als „oft sachgerechter, menschenwürdiger und zudem kostengünstiger“. Gleichzeitig sollte der „Abschiebung älterer oder behinderter Menschen aus ihrem Lebenskreis ins Heim“ entgegengewirkt werden.
 
Bitte lesen Sie dazu auch "Familienunterstützende und -entlastende Dienste - Versuch einer Zwischenbilanz",

einen Beitrag von Dr. Johannes Schädler (pdf - 28.5 KB)

Dr. Johannes Schädler war Referent für Eltern und Familie in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe. Aktuell ist er Geschäftsführer des Zentrums für Planung und Evaluation sozialer Dienste (ZPE) in Siegen.
 
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