Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Integration

„Ich wünsche mir, dass wir in unserer Gesellschaft mehr anerkannt und geachtet werden und man uns so annimmt, wie wir sind. Wir sind alle sehr verschieden, jeder von uns hat auch etwas Besonderes an sich.“
Michael Schüfer,
Mitglied im Beirat Arbeit und Wohnen der Lebenshilfe

Von Anfang an setzte sich die Lebenshilfe für die soziale Integration von Menschen mit geistiger Behinderung ein.

Soziale Integration – das bedeutete für die noch junge Lebenshilfe zunächst das Aufwachsen in der Familie, da geistig behinderte Kinder von den bestehenden allgemeinen Institutionen ausgeschlossen waren. Es wurden Sondereinrichtungen ins Leben gerufen. In den 1980er-Jahren strebte die Lebenshilfe den nächsten Schritt an: die Einbeziehung dort, wo auch Menschen ohne Behinderung leben, lernen, wohnen und arbeiten.

Im Schulbereich hieß das neue Motto: „Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen“. Besondere Impulse erhielt die Forderung nach Integration z.B. durch die Schaffung von Begegnungen behinderter und nichtbehinderter Menschen – nach dem Motto „so viel Integration wie möglich und so viel besondere Förderung wie nötig“.

Parallel formulierten Eltern und Fachleute neue Leitbilder. Menschen mit geistiger Behinderung sollten zwischen verschiedenen Lern- und Lebensorten sowie Hilfekonzepten wählen können. Seitdem ergänzen sich stationäre, teilstationäre und ambulante Hilfsangebote.

Jüngste Konzepte der Inklusion gehen noch einen Schritt weiter: Behinderte Kinder sollen von Geburt an in sozialen Netzwerken wie Nachbarschaft und Vereinen aufwachsen und dort die Hilfe bekommen, die sie gebrauchen. Spezielle Angebote wie die integrative Schule wären dem Gemeinsamen Leben und Lernen nachgeordnet. SchülerInnen mit geistiger Behinderung würden in der zuständigen allgemeinen Schule von SonderpädagogInnen unterrichtet werden.

Diesen Initiativen liegen vor allem folgende Erkenntnisse zugrunde: 
  • Schutzgedanke: Nachbarn, Arbeitskollegen und Vereinsmitglieder schützen Menschen mit geistiger Behinderung am besten vor Anfeindungen.
  • Es ist normal, verschieden zu sein: Kinder, die mit behinderten Kindern aufwachsen, werden auch als Erwachsene keine Scheu im Umgang mit ihnen haben. 
  • Teilhabe: Die Grundlagen des Miteinanders in der Gesellschaft sollten auch Menschen mit geistiger Behinderung zugänglich gemacht werden.  
Integrative Schule
 
Beispiel Integrative Grundschule Gießen

1998 eröffnete die Lebenshilfe in Gießen ihre erste integrative Grundschule: Zehn Kinder mit Behinderung aller Schweregrade und 28 nichtbehinderte Abc-Schützen lernen zusammen. Lehrer, Sozialpädagogen, Praktikanten und Zivildienstleistende fördern die Schüler entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten in der Kleingruppe oder allein. Zum Programm gehören auch das Erforschen der Natur, Theater und Musik. Die auf sechs Jahre angelegte Einrichtung lässt mehr Zeit, sich für die richtige weiterführende Schule zu entscheiden.  
 
Bitte lesen Sie dazu auch "Von der sozialen Integration zum Gemeinsamen Leben und Lernen",

einen Beitrag von Dr. Theo Frühauf (pdf - 17.8 KB)

Dr. Theo Frühauf war Leiter des Bereichs 'Familie und Fachfragen'  in der Bundesgeschäftsstelle von 1988 bis 2005. Aktuell ist er Chefredakteur der Fachzeitschrift "Geistige Behinderung".
 
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