Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Normalisierung - ein Leben so normal wie möglich

Normalisierung
Der Mensch mit einer geistigen Behinderung ist ein Mitbürger mit uneingeschränkten Rechten auf ein normales Leben in der Gesellschaft.

Das ist das Leitbild des in den 1960er-Jahren in Dänemark, Schweden und Kanada u.a. von Bengt Nirje entwickelten Prinzips der Normalisierung. Als Reformidee hat sie auch in Deutschland reiche Früchte getragen. Aus der Idee der Normalisierung sind alle weiteren modernen Leitbilder der Behindertenhilfe abgeleitet, wie sie die Arbeit der Lebenshilfe prägen: Integration, Selbstbestimmung, Teilhabe und Inklusion.

Mann im Rollstuhl wird geduscht
Normalisierung bedeutet, ein Leben zu führen so normal wie möglich.
Die Hilfen sind ausgerichtet auf die alltäglichen Lebensbedingungen. Das Konzept der Normalisierung wendet sich gegen das Leben in den Großeinrichtungen. Für die Lebenshilfe ergab sich daraus die Förderung kleinerer, gemeindenaher Wohneinrichtungen und regionaler Hilfe im Lebensumfeld der Betroffenen. Sie sollen an der Ausgestaltung der Angebote beteiligt werden. 

In Hamburg fand 1985 der erste Europäische Kongress der Internationalen Liga zum Thema Normalisierung statt. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe gab als Ausrichter der Tagung einen wichtigen Impuls. Beteiligt war auch Prof. Walter Thimm (1936–2006), der über das Normalisierungsprinzip wegweisende Bücher veröffentlichte. Sie hatten maßgeblichen Einfluss auf die Enthospitalisierung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung aus Großeinrichtungen sowie die Eingliederung behinderter Menschen aller Altersstufen in die Gesellschaft.
 
Stichwort: Normalisierung 

Zunächst bedeutet Normalisierung, einen Tagesablauf wie alle anderen zu haben: Aufstehen, Waschen, Anziehen, zur Schule oder zur Arbeit gehen, Mahlzeiten einnehmen, Freizeit.

Normalisierung bezieht sich auch auf den Jahres- und Lebenslauf. Die Trennung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit ist normal. Die Umwelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung muss ihren Bedürfnissen gemäß gestaltet werden. Ihre Wünsche werden so weit wie möglich respektiert. Normalisierung bedeutet auch, dass beide Geschlechter zusammenleben.

Das Normalisierungsprinzip wurde jedoch auch missverstanden als Erziehung zur Unauffälligkeit. Die Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten und einfacher Umgangsformen sollte zur Angleichung an die „Normalen“ beitragen.

Dagegen steht der Anspruch der Reformer, die Individualität und Besonderheit jedes Menschen mit geistiger Behinderung im Alltag zu achten und ein Leben zu fördern, wie es für alle Bürgerinnen und Bürgern eines Landes normal ist.
 
 
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