Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Wohnen bis ins hohe Alter

„Wir möchten die Wahl haben, wo und wie wir wohnen, mit den Eltern, zu zweit oder mit Freunden, im Wohnheim, in einer Außenwohngruppe oder Wohngemeinschaft. Es soll auch betreutes Wohnen geben.“
Wünsche geistig behinderter Menschen an den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau
Wohnen
Lange Zeit wurden Menschen mit geistiger Behinderung entweder in einer Anstalt versorgt, oder sie lebten so lange wie möglich in ihrer Familie. Beim Tod ihrer Eltern mussten sie meistens in eine Anstalt oder in ein Altersheim übersiedeln – ein Wechsel, der für sie oft sehr schwer war. Sie waren selbst schon in höherem Alter und hatten nun Familie und gewohnte Umgebung verloren. Ihr Leben lang blieben sie Abhängige und wurden oft wie Kinder behandelt.

Die Lebenshilfe entwickelte dagegen das Konzept des gemeindenahen Wohnens. Als ein „zweites Zuhause“ sollten die Wohnangebote dazu beitragen, dass die erwachsenen Menschen mit Behinderung die Bindung an Verwandte, Freunde und Bekannte aufrechterhalten und neue Kontakte knüpfen konnten. Einen Meilenstein in der Diskussion bildete 1981 in Aachen die Lebenshilfe-Studientagung „Humanes Wohnen – seine Bedeutung für das Leben geistig behinderter Erwachsener“.

Die Entwicklung der Wohnstätten verlief ebenso rasant wie die der anderen Lebenshilfe-Einrichtungen:
  • 1968, zehn Jahre nach der Gründung der Lebenshilfe, lebten in sechs Wohnstätten gut 100 Menschen mit geistiger Behinderung.
  • Anfang der 1980er-Jahre waren es bereits 8100 Menschen in mehr als 500 Wohnstätten.
  • 2004 ergab eine verbandsinterne Erhebung 33 000 Menschen in 4000 Wohneinrichtungen.  
Bis heute nutzen die Menschen mit geistiger Behinderung besondere, auf sie abgestimmte Wohnformen. Vielerorts errichtete die Lebenshilfe kleine Einheiten mit vielfältigen, differenzierten Angeboten wie Wohngemeinschaften und Betreutem Wohnen für Einzelne oder Paare. Hier leben die Menschen mit geistiger Behinderung weitgehend selbstständig wie andere Menschen auch. Als Solidargemeinschaft der Eltern, Angehörigen und Freunde geistig behinderter Menschen übernimmt die Lebenshilfe die Verantwortung für Zukunft und Alter derjenigen, die ihre Eltern überleben.

 
Wohnen im AlterAngesichts des demografischen Wandels steht die Lebenshilfe heute vor einer neuen Herausforderung. Der aus Sicht der Lebenshilfe weiterhin notwendige Ausbau von Wohnmöglichkeiten – insbesondere für älter werdende und Menschen mit hohem Hilfebedarf – wird aus Kostengründen immer mehr infrage gestellt. Behinderte Menschen sollten im Erwachsenenalter die Möglichkeit haben, zwischen Wohnformen zu wählen. Ambulante Wohnformen bekommen eine größere Bedeutung; allerdings muss hier eine angemessene Begleitung sichergestellt werden. Als Kosteninstrument sind sie nicht geeignet.
 
Bitte lesen Sie dazu auch "Von stationären Wohnformen zu differenzierten Unterstützungsformen",

den Beitrag von Klaus Kräling  (pdf - 13.5 KB)

Klaus Kräling ist Referent für Wohnen, Freizeit und Sport in der Abteilung Konzepte der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe.
 
 
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