Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Werkstätten: Erste Schritte ins Arbeitsleben

Werkstätten: Erste Schritte ins Arbeitsleben

In den Gründungsjahren der Lebenshilfe stand die Förderung geistig behinderter Kinder im Blickpunkt. Für Erwachsene mit geistiger Behinderung, die Euthanasie und Krieg überlebt hatten, gab es dagegen keine Angebote. Für diese wenigen und für die ersten Schulabgänger geeignete Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, war das nächste Ziel der Lebenshilfe.

Von Beginn an wollte die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung nicht nur Beschäftigung anbieten. Die Entwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit durch sinnvolle Arbeit in der Gemeinschaft war ihr Ziel. Aus der „Bastel-   und Werkstube“ entstand die „beschützende Werkstatt“, später die  „Werkstatt für Behinderte“, heute die „Werkstatt für behinderte Menschen“.

WerkstattarbeitSeit den 1970-er Jahren bietet die Lebenshilfe eine große Vielfalt an Arbeitsplätzen und Produktionsbereichen. Hier können Menschen mit Behinderung ihren Wünschen und Möglichkeiten gemäß tätig sein : in der Eigenfertigung marktgängiger Produkte, in der Lohnfertigung wie z.B. Montage oder bei Dienstleistungen (Gastronomie, Wäscherei, Elektronik-Recycling u.a). Zur Arbeit gehen wie andere auch macht behinderte Menschen stolz und selbstbewusst.

Vor allem jüngere Eltern forderten Ende der 1980er-Jahre, dass Menschen mit Behinderung dort lernen und arbeiten, wo auch Nichtbehinderte tätig sind. Die Lebenshilfe griff diese Forderung Anfang der 1990er-Jahre in ihrem Grundsatzprogramm auf. Die Werkstatt wird nicht infrage gestellt, doch ermuntert die Lebenshilfe ihre Werkstätten, sich zu öffnen und Übergänge in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Arbeiten, wo andere auch arbeitenDie Bedingungen für Integration sollen verbessert werden durch eine qualifizierte Ausbildung, die Bereitstellung entsprechender Dienste, wie z. B. der Arbeitsassistenz sowie der Beseitigung rechtlicher und praktischer Hindernisse.

Heute wird der beruflichen Bildung von Menschen mit Behinderung ein hoher Stellenwert beigemessen. Bildungszentren und Praktika, Außenarbeitsgruppen und externe Bildungsmaßnahmen erleichtern den Übergang in die normale Arbeitswelt. Die Werkstätten bieten Arbeitsplätze intern oder in Unternehmen bzw. Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes an. Die veränderten Anforderungen erfordern ein neues Selbstverständnis des Personals. Aus dem Gruppenleiter ist die (geprüfte) Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung geworden. Die „Begleitenden Dienste“ sorgen für die pädagogische, soziale, psychologische und ärztliche Betreuung. In den Werkstatträten vertreten sich die Menschen mit Behinderungen selbst.

Mit der Einführung des Persönlichen Budgets wird die Stellung des behinderten Menschen verändert: Er kann selbst entscheiden, wo er am Arbeitsleben teilhaben möchte, wer ihn unterstützt, wo und wie er durch berufliche Bildung auf das spätere Arbeitsleben vorbereitet wird. Ziel ist es, auch im Arbeitsleben von Menschen mit Behinderung die Teilhabe in der Gemeinde und in örtlichen Unternehmen oder Integrationsfirmen zu fördern.

Die Lebenshilfe hat wesentlichen Anteil am Ausbau eines flächendeckenden Netzes an Werkstätten für behinderte Menschen, die heute ca. 245 000 Menschen (Stand 2007) ein Recht auf Arbeit garantieren. 
 

Bitte lesen Sie dazu auch "Gestaltung des Werkstattrechts durch die Lebenshilfe"

einen Beitrag von Dr. Sabine Wendt (pdf - 15 KB),

Dr. Sabine Wendt ist Juristin in der Abteilung Recht, Sozialpolitik und Ethik in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe,

und  "Die Entwicklung der Teilhabe am Arbeitsleben",

einen Beitrag von Jana Kohlmetz (pdf - 11.9 KB),

Jana Kohlmetz ist Referentin für Arbeitsleben in der Abteilung Konzepte in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe.



 

 
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