Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Frühförderung: Die ersten Jahre sind entscheidend

Frühförderung

Bereits 1962 hatte die Lebenshilfe in einem ersten Rahmenprogramm Früherkennung eingefordert. Ende der 1960er-Jahre boten einzelne örtliche Initiativen in Lebenshilfe-Sonderkindergärten erstmals Frühe Hilfen an. Die entscheidenden Impulse erhielt die Frühförderung jedoch im folgenden Jahrzehnt.

Die medizinische Forschung rückte in den 1970er-Jahren die Formbarkeit des frühkindlichen Gehirns ins Blickfeld, dessen Gewicht sich z.B. in den ersten drei Lebensjahren verdreifacht. Im Juni 1970 wurde das Vorsorge- und Früherkennungsprogramm für Säuglinge und Kleinkinder eingeführt. Im Herbst 1973 veröffentlichte der Deutsche Bildungsrat seine Empfehlungen „Zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher“. 1974 wurde die öffentliche Finanzierung der Frühförderung nach dem Bundessozialhilfegesetz auch auf Kinder unter drei Jahren ausgedehnt.

Frühförderung

Die Lebenshilfe trieb mit ihrer Studientagung im Mai 1974 in Gelsenkirchen die öffentliche Diskussion voran. Beim Thema „Frühe Hilfen – wirksamste Hilfen“ kamen PädagogInnen, PsychologInnen und MedizinerInnen ebenso zu Wort wie Eltern, BewegungsexpertInnen, VerwaltungsbeamtInnen und JuristInnen. In Gelsenkirchen wurden die bis dahin gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen ausgetauscht.
Schwerpunkte und Ausrichtung der Frühförderung haben sich im Lauf der Jahre mehrfach geändert. Bei den Inhalten, Organisations- und Arbeitsweisen standen mal die Eltern, mal das Kind, mal die Fachkräfte im Vordergrund. Heute ist ein ganzheitlicher Ansatz vorherrschend. Im Sinne des Lebenshilfe-Prinzips der „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden gemeinsam mit der Familie und den beteiligten Fachdisziplinen die für das Kind angemessenen Frühförderungsmaßnahmen abgestimmt, damit es sich in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt so gut wie möglich entwickeln kann. Diese Art der Frühförderung verhilft behinderten Kindern zu mehr Lebensfreude und Teilhabe am Leben.
Frühförderung

Warum Frühförderung?
Das Konzept der Frühförderung fußt auf medizinischen, pädagogischen, psychologischen und soziologischen Erkenntnissen. Danach wird die Ausdifferenzierung und Reifung des zentralen Nervensystems von erzieherischen Anregungen, sozialen Handlungen und der Kommunikation mit der Umwelt in den ersten Lebensjahren des Kindes (sensible Phasen) entscheidend beeinflusst. Deshalb ist Frühförderung Vorbeugung. Sie versucht durch Früherkennung, -therapie und -erziehung behinderter und entwicklungsgefährdeter Kinder Entwicklungsverzögerungen so weit wie möglich auszugleichen. Eltern und Fachleute arbeiten eng zusammen, um die Entwicklung des Kindes in seiner direkten Umwelt anzuregen. Ziele sind eine weitgehende Integration in den Familienalltag und ein möglichst „normaler“ Lebensweg.
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Bitte lesen Sie dazu auch  "50 Jahre Lebenshilfe - 30 Jahre Frühförderung",

den  Beitrag von Hans-Volker Wagner (pdf - 13.2 KB) ,

Hans-Volker Wagner war Referent für Frühförderung und Leiter des Lebenshilfe-Verlags in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe.
 
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