Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Gründung der "Aktion Sorgenkind"

Aktion Sorgenkind

Große Bedeutung für behinderte Menschen und ihr Bild in der Öffentlichkeit hatte die Gründung der „Aktion Sorgenkind“, heute „Aktion Mensch“.
 

Erstmals in der Bundesrepublik Deutschland wurde in den frühen 1960er-Jahren in der Öffentlichkeit intensiv über die Situation zivil-behinderter Menschen diskutiert. Anlass war die „Contergan-Affäre“. Rund 5000 Kinder waren mit Behinderungen zur Welt gekommen, nachdem ihre Mütter während der Schwangerschaft das Beruhigungsmittel Thalidomid eingenommen hatten. Der Fall zeigte, dass Behinderung nicht nur persönliches Schicksal ist, sondern auch gesellschaftliche Aspekte aufweist.
 

Diesen Faden griff das 1963 gegründete Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit ihrem Intendanten Karl Holzamer auf. Am 9. Oktober 1964 lief zum ersten Mal die Sendung „Aktion Sorgenkind“ mit Moderator Hans Mohl. Eindringlich und authentisch berichtete er über das Leben behinderter Kinder in Deutschland. Die „Aktion Sorgenkind“ sammelte Spenden und Lotterie-Erlöse aus der ZDF-Show „Vergißmeinnicht“ mit Peter Frankenfeld. Die Lebenshilfe war von Anfang an dabei, die ersten Gelder flossen in eines ihrer Projekte. In den 1970er-Jahren rührte der ehemalige Sportmoderator Wim Thoelke mit seinen Quizsendungen „Drei mal Neun“ und „Der große Preis“ die Werbetrommel. Das 1978 eingeführte Jahreslos katapultierte das Einspielergebnis der Lotterie erstmals auf über 100 Millionen DM. Heute spielt sie jährlich etwa 450 Millionen Euro ein.
 

Der Lebenshilfe fließt im Schnitt rund ein Fünftel des Zweckertrags der Lotteriemittel zu. Jährlich bearbeitet die Bundesvereinigung Lebenshilfe 3000 Anträge auf Förderung aus diesen Mitteln, die alle den Gremien der im Jahr 2000 in „Aktion Mensch“ umbenannten Einrichtung vorzulegen sind. Die Richtlinien der Aktion Mensch werden ständig weiterentwickelt. So trägt die Aktion Mensch nicht mehr nur zur Finanzierung von Fahrzeugen und Heimen bei; Familien, gemeindenahe Einrichtungen, ambulante und Familienunterstützende Dienste und auch Maßnahmen zur Aufklärung der Öffentlichkeit gehören dazu. Das Hauptziel heißt Hilfe zur Selbsthilfe; die behinderten MitbürgerInnen sollen so lange wie möglich ein eigenständiges und unabhängiges Leben führen können.
 

Seit einigen Jahren führt die „Aktion Mensch“ groß angelegte Aufklärungskampagnen durch. Dazu gehören u.a.

  • die Ausstellung „Der (im-)perfekte Mensch“ (2000),
  • das „1000-Fragen-Projekt“ über Bioethik (2002)
  • die Kampagne „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ (2006/07).

Lebenshilfe-Gründer Tom Mutters, Mitinitiator der „Aktion Sorgenkind“, gehörte 1964 bis 1993 dem Kuratorium und dem dreiköpfigen Vorstand an. Seitdem vertritt Bundesgeschäftsführer Dr. Bernhard Conrads die Lebenshilfe in den Führungsgremien der heutigen „Aktion Mensch“.
 

Bitte lesen Sie dazu  "Aktion Mensch - eine Erfolgsstory auch für die Lebenshilfe", einen
 
Beitrag von Dr. Bernhard Conrads  (pdf - 31.6 KB),

Dr. Bernhard Conrads ist Bundesgeschäftsführer der Lebenshilfe und Vorstandsmitglied der Deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch e.V.

 
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