Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Das Bundessozialhilfegesetz

Eine wesentliche Grundlage der Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung schuf der Gesetzgeber – die Lebenshilfe hatte hier wichtige Impulse gegeben – zum 1. Juni 1962 mit dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG), das die Eingliederungshilfe festschrieb. Hatten nach dem alten Fürsorgegesetz (1924) nur „Bedürftige“ Anspruch auf staatliche Hilfe, so wurden mit dem BSHG besondere Einkommensgrenzen geschaffen, die den Kreis der Anspruchsberechtigten erheblich erweiterten. Mit der BSHG-Novelle 1974 wurde ein einheitlicher Behindertenbegriff eingeführt. Danach haben alle Menschen mit Behinderung Anspruch auf Eingliederungshilfe oder Hilfe zur Pflege; dazu gehören auch Hilfeangebote unabhängig von Einkommen und Vermögen.
 

Die Eingliederungshilfe soll den behinderten Menschen befähigen, sein Leben selbst zu gestalten, ihm die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft ermöglichen und ihn so weit wie möglich unabhängig von Pflege machen (BSHG, § 39, 3). Wer wie die meisten geistig behinderten Menschen nur durch gezielte Förderung eine schulische und berufliche Ausbildung durchlaufen kann, ist auf die Leistungen der Eingliederungshilfe angewiesen. Dies beginnt oft kurz nach der Geburt mit heilpädagogischen Maßnahmen und begleitet viele behinderte Menschen durch Kindergarten, Schule und Arbeitsleben bis ins Alter. 
 

Das Bundessozialhilfegesetz formuliert einen Katalog von Leistungen, mit denen das Eingliederungsziel erreicht werden soll. Erst durch die Eingliederungshilfe, die über die individuellen Rechtsansprüche der behinderten Menschen abgerufen wird, konnten die Lebenshilfe-Einrichtungen Konzepte und Angebote für alle Lebensabschnitte entwickeln und entsprechende Dienstleistungen erbringen. Dazu zählen u.a. Frühförderung, Hilfen zur Teilhabe am Arbeitsleben, z. B. in den Werkstätten für behinderte Menschen, sowie Hilfen zum stationären und ambulant betreuten Wohnen. Die Regelungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung sind bis heute von zentraler Bedeutung.

Bitte lesen Sie dazu auch über  "Die Eingliederungshilfe im Bundessozialhilfegesetz"

den Beitrag von Ulrich Hellmann und Norbert Schumacher (pdf - 8.6 KB),

Ulrich Hellmann ist Leiter der Abteilung Recht, Sozialpolitik und Ethik,
Norbert Schumacher ist Jurist in der Abteilung Recht, Sozialpolitik und Ethik in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe.

 
© 2008 - 2013 Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de