Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Eltern stellen sich der Herausforderung

Eltern

Ingeborg Thomae (links hinten), spätere Vorsitzende des Bundeselternrats, mit anderen Eltern und geistig behinderten Kindern

Ein Schock, der erst einmal verarbeitet werden muss – das bedeutet für viele Eltern die Geburt ihres geistig behinderten Kindes. Doch mit der Zeit des intensiven Zusammenlebens, der Pflege und Fürsorge entwickelt sich bei den meisten Eltern ein Gefühl tiefer Zuneigung für ihr Kind. Zugleich wächst ein großes Bedürfnis nach Information, Beratung und Begleitung.

Am Anfang stand ein Tabu, wie sich eine Mutter an die frühen Jahre erinnert. Vielen Eltern wurde damals erst durch die Kontakte mit anderen Eltern klar, dass sie mit ihrem „Schicksal“ nicht allein waren. Sie tauschten Informationen über Ärzte, Therapien und Einrichtungen aus und machten sich gegenseitig Mut, ihr behindertes Kind anzunehmen und zu fördern. Fachleute wollten gewonnen sein für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, was auch gelang.

Seit der Gründung der Lebenshilfe stellten sich namhafte Wissenschaftler und andere Experten in den Dienst der Arbeit mit behinderten Menschen. Ohne diese Solidarität wären viele Hilfe- und Förderangebote für Menschen mit geistiger Behinderung nicht möglich gewesen. In den 1960er-Jahren gehörte viel Mut dazu, einen Sonderkindergarten für behinderte Mädchen und Jungen einzurichten. Es war mühsam, eine Tagesstätte zu gründen, Personal zu finden und zu finanzieren. Und es bedurfte eines hohen organisatorischen Aufwands, um die Kinder aufzuspüren, die diese Tagesstätte besuchen sollten.

Von Anfang an arbeiteten Eltern zusammen mit Beschäftigten, Freunden und Förderern der Lebenshilfe mit großem persönlichem Engagement: Sie putzten Räume, nähten Gardinen, strichen Wände, restaurierten Möbel, kochten, bastelten Spielzeug und unterstützten das Fachpersonal bei der Aufsicht der Kinder sowie bei der Vorbereitung von Festen und Ausflügen.

Da die Fördereinrichtungen in den ersten Jahren keine eigenen Fahrzeuge hatten, mussten die Mütter, seltener die Väter, ihre behinderten Kinder oft selbst über lange Strecken und auf eigene Kosten transportieren.

Die Eltern erlebten, wie ihre Kinder aufblühten, sich neue Lernfelder eroberten und Fähigkeiten entwickelten, die ihnen kaum jemand zugetraut hatte. Über diese positiven Erfahrungen berichteten die Eltern vielen Menschen an unzähligen Orten. Damit räumten sie Widerstände aus dem Weg und überzeugten Zweifler. Mut, Entschlossenheit und Überzeugungskraft von Eltern und PädagogInnen veränderten in wenigen Jahren die Lebensumstände der Menschen mit geistiger Behinderung. Mütter und Väter, Mediziner, Juristen, Lehrer und Erzieher stellten ihre freie Zeit in den Dienst der Lebenshilfe. Sie beantworteten Fragen betroffener Eltern, überzeugten Kommunalpolitiker und warben für den Gedanken einer besseren Versorgung und Förderung dieser Kinder und Jugendlichen.

Es war eine Zeit des ständigen und intensiven Lernens. Allen Beteiligten war klar, dass die neu entstandenen Einrichtungen nicht einfach mit den Methoden geführt werden konnten, die bei herkömmlichen Kindergärten und Schulen funktionierten. Deshalb entstanden bald nach der Gründung der Lebenshilfe die ersten Fachgremien: Sozialbeirat, Wissenschaftlicher Beirat, Pädagogischer Ausschuss und Werkstattausschuss.

Flankiert wurden die fachlich orientierten Gremien durch den 1968 gegründeten Bundeselternrat. Als Selbsthilfegremium verleiht er den Eltern innerhalb des Verbandes besondere Stimme und Gewicht. Seine Mitglieder beraten die Organe der Bundesvereinigung bei allen Fragen aus der besonderen Sicht der Angehörigen. Diese Sicht auf die sozialpolitischen und fachlichen Entwicklungen ist auch durch die Mitarbeit der Elternratsmitglieder in den Fachausschüssen gewährleistet.
 

Bitte lesen Sie dazu auch "Eltern in der Lebenshilfe", einen
 
Beitrag von Maren Müller-Erichsen (pdf - 12 KB),

Maren Müller-Erichsen ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Vorsitzende der Kreisvereinigung Gießen und Mutter eines jungen Mannes mit Down-Syndrom. 

 
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