Die Lebenshilfe - Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
 

Bedrohung behinderter Menschen im NS-Staat

Schatten der Geschichte
1958, im Gründungsjahr der Lebenshilfe, lag das dunkelste Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte erst 13 Jahre zurück. Das nationalsozialistische Terrorregime hatte auch die Menschen mit geistiger Behinderung systematisch verfolgt und ermordet. Die braunen Ideologen stempelten sie als „lebensunwert“ ab. Dabei beriefen sie sich auf eine sozialdarwinistisch geprägte Humangenetik. Sie war als „Rassenhygiene“ bereits in der Weimarer Republik von dem Psychiater Alfred Hoche und dem Strafrechtler Karl Binding vertreten worden.

Die „Tötung lebensunwerten Lebens“, so die schreckliche NS-Terminologie, wurde ab 1938 offen propagiert, Hitlers persönliche Zustimmung zu der als "Euthanasie" bemäntelten Mordaktion galt offiziell seit Kriegsbeginn am 1. September 1939. Nun gab es für "missgebildete" Kinder eine Meldepflicht. 
 
Stichwort: „Euthanasie“
Unter der irreführenden Tarnbezeichnung „Euthanasie“ (wörtlich: „schöner Tod“) führte die NS-Regierung ab 1940 ein Programm zur systematischen Tötung missgebildeter Kinder (Gehirnfehlbildung) sowie geistig behinderter oder psychisch kranker Erwachsener durch. Missgebildete Kinder erhielten auf speziellen Stationen Medikamente oder man ließ sie verhungern. Erwachsene wurden in Tötungsanstalten vergast oder auf andere Weise umgebracht.

Im August 1941 wurde das Morden aufgrund von kirchlichem Protest vor allem des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen offiziell gestoppt. Bis dahin waren nachgewiesen mindestens 100 000 Menschen getötet worden. Unter strenger Geheimhaltung wurden 1941−45 weitere 30 000 Menschen getötet. Die Gesamtzahl der Opfer wird auf bis zu 250 000 geschätzt.
 
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